Prolog – was macht einen „Bester Chef“ aus?

by zebulini

Mein erster Chef glänzte durch beständige Abwesenheit. Ich habe ihn nur zur Weihnachtsfeier zu Gesicht bekommen. Und das war – zumindest gegen Ende der Feier – nicht der Zustand, in dem ich ihn in Erinnerung behalten möchte.

Mein zweiter Chef war immer gegenwärtig. Gleichgültig welcher Tätigkeit man sich gerade widmete, er gab seine Hinweise, Tipps und „da sollte man“-Anweisungen; er wusste was zu tun oder zu lassen war. Jeder konnte sicher sein ihn zu treffen, wenn ein neuer Arbeitsgang begonnen wurde. Selbst wenn ich nach Feierabend zu Hause die Eingangstüre öffnete, fühlte ich eine seltsame Beklemmung.

Erst mein dritter Chef erschien mir annähernd normal. Er führte Mitarbeitergespräche, leitete die regelmäßigen Arbeitstreffen und, wie erzählt wurde, war sehr engagiert in seiner Kirchengemeinde. Nur an seinen Namen kann ich mich heute nicht mehr erinnern.
 
Auf den verschiedenen Dienstreisen, Seminarveranstaltungen und Mittagessen war ein Gesprächsthema alles andere als selten: Der eigene Chef. Ich hörte alltägliches, skurriles und seltsames. Und manchmal mischte sich in diese Erzählungen so etwas wie Bewunderung.
 
Diese versteckte Anerkennung mit einem sorgfältig versteckten Stolz durchsetzt, ließ mich aufhorchen. Gab und gibt es Verhaltensweisen und Eigenschaften bei Vorgesetzten, die es möglich machen, dass sie in der Anerkennung bei ihrem Team weit über das Normale hinaus ein Ansehen genießen dürfen?
 
Was ist es, das sie richtig machen? Wie kommt es, dass Mitarbeiter für ihren Chef kämpfen würden, nichts auf ihn kommen lassen?
 
Dieses Phänomen wollte ich für mich erklärbar machen. Ich begann nach Hinweisen zu suchen, was einen „Bester Chef“ ausmacht.
 
In der Folge bin ich auf Personen zugegangen, bei denen ich den Eindruck gewonnen hatte, dass sie eine Erklärung liefern konnten, was aus ihrer Sicht das Besondere ist, das einen solchen Chef ausmacht.
 
Ich wollte es lernen. Für mich.
 
Die folgenden Geschichten sind wahr. Manchmal überzeichnet, zum Teil verändert, vor allem die Namen, niemand soll erkennbar werden. So manches Ergebnis ist für mich erstaunlich. Aber lesen Sie selbst.

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